Ich schreibe ihn nur, um mitzuteilen: Die Website läuft seit heute, 28.11.2023 19:50. Wir werden auch ältere Informationen und Artikel hier einstellen. Ich bin selbst gespannt, wie sich die Seite mit der Zeit entwickeln wird. Die Bilder werden nach und nach ersetzt. Im Moment sind sie Platzhalter, damit wir „etwas da haben“. Außerdem ist es, denke ich, schön, wenn man immer wieder einmal etwas anderes sieht. (S. Wanner)
Als Kreisheimatpflegerin für Tradition und Brauch im Landkreis Coburg will Ingrid Ott versuchen, diesen alten Brauch , bei dem es nicht nur um Kreatives Wirken, wie Spinnen, Stricken und Handarbeiten geht, sondern auch um Geselligkeit, Freundschaft, Kennenlernen und Zusammensein, wieder zu beleben.
Gerade im ländlichen Raum, wo es kaum noch Gasthäuser gibt und die Vereine überaltert sind, sieht sie eine Chance diese Tradition, die ja ein Stück Heimatpflege ist, zu beleben.
Der Ursprung der Lichtstuben, die territorial unterschiedlich als Spinn- und Rockenstuben bezeichnet werden, ist im Mittelalter zu finden. Auch hier fanden sich schon junge Mädchen – oft eines Jahrgangs – in den dunklen, kalten Wintermonaten in geselliger Runde zusammen,
um für Ihre Aussteuer zu spinnen und zu nähen. Es war auch ein wirtschaftlicher Aspekt wichtig, durch das Zusammensein in einem Raum sparte man nicht nur das Heizen, sondern auch das Licht, das zu dieser Zeit von Kienspänen, Öllampen und Kerzen kam. Außerdem war das gemeinsame Wirken an oft zeitaufwendigen Handarbeiten weniger langweilig wenn man zusammen saß, denn man konnte sich unterhalten, erzählen, tratschen, singen und Geschichten erzählen. Auch wurden Neuigkeiten des Dorflebens ausgetauscht.
Das Zusammenkommen in der Lichtstube, das teilweise in einem festen Raum aber auch abwechselnd auf unterschiedlichen Höfen stattfand, spielte sich in dörflichen, landwirtschaftlichen Gegenden ab.
Von städtischen Lichtstuben ist geschichtlich nichts vorhanden.
In den Lichtstuben fanden sich die jungen Mädchen des Dorfes ein, was natürlich auch für die jungen Burschen des Dorfes anzog. So kamen sie nach getaner Arbeit erst um und dann in die Lichtstuben. Sie unterhielten die fleißigen Handarbeiterinnen mit Geschichten, Musik und manchem Schabernack. Meist hatten sie einen Musiker in ihren Reihen der mit der Mund- oder Ziehharmonika die Volkslieder, die
gemeinsam gesungen wurden, begleitete und zur später Stunde auf zum Tanz aufspielte. Es wurden Volks- und Schlumperlieder gesungen, Geschichten und Sagen erzählt, Spiele gemacht und manch Schabernack getrieben. Man konnte sich gegenseitig beschnuppern, kennenlernen und näher kommen, deshalb blieb es nicht aus, das die Lichtstube zur Brautschau oder – wie es von Kirche und Obrigkeit bezeichnet wurde – zum Sittenverfall und „Treibhaus der Unsittlichkeit“ wurde. So wurde eine Lichtstubenordnung aufgestellt, es gab die Sittenaufsicht und in manchen Gegenden wurden die Lichtstuben verboten.
Das Ende der Tradition der geselligen Lichtstuben kam mit dem Radio und dem Fernseher. Man hatte im häuslichen Bereich genügend Unterhaltung und kein Bedürfnis mehr mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen. Die Lichtstuben lösten sich auf. Mit der Digitalisierung, mit Whats up, Facebook, Instagram und mehr hatte man kein Bedürfnis mehr miteinander persönlich zu kommunizieren. Die Herzlichkeit, Wärme und Verständnis füreinander verschwinden zu Sehens und es bleibt Einsamkeit, Frust und Depression. Gerade die Kontaktsperre in der Zeit der Pandemie hat es uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig das Miteinander und der Austausch mit unseren Mitmenschen ist.
Deshalb ist es das Bestreben von Ingrid Ott und ihren Mitstreitern im Ehrenamt wieder ein Stück Gemeinschaft und Geselligkeit in unsere Reihen zu bringen. Sie ist dabei nicht alleine, ihre Freundinnen Erika Rother, die immer und überall für das leibliche Wohl sorgt und Sabine Wanner, die mit ihrem Spinnrad den Flair „der guten alten Zeit“ und des Mittelalters bringt, sind an ihrer Seite.
Das Spinnrad, das in vielen rustikalen Räumen oder Bauernzimmer noch oft zu finden ist, dient heute nur noch der Dekoration (Foto). Sabine Wanner ist gerne bereit die Kunst des Spinnens in einer Lichtstube weiter zu geben.
Ein erstes Treffen für Interessierte an der Gründung einer Lichtstube in Rödental ist am Samstag, den 13. 01. 2024 14.00 Uhr im Foyer der Franz-Goebel-Halle Rödental geplant. Alle, die sich für Tradition, Handarbeit und Geselligkeit interessieren sind herzlich eingeladen, sogar Bürgermeister Marco Steiner ist von der Idee angetan und stellt die Räumlichkeit zur Verfügung. (Ingrid Ott)
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